u Eurogrüne stellen 6 Kernforderungen vor
Johannesburg (Jo'burg News) Abgeordnete der Fraktion Grüne/Europäische Freiheitsallianz im Europaparlament stellten am Samstag auf dem deutschen Stand im Ubuntu Village ihre 6 Hauptforderungen an den Weltgipfel in Johannesburg vor, die hier dokumentiert werden.
„Just Solutions!"
Nach weiteren 10 Jahren werden unsere Kinder fragen, welcher Fortschritt seit Johannesburg erzielt worden sei. Wir müssen für die folgenden Initiativen bestehende internationale Agenturen starken und, wo nötig, neue schaffen:
1. Souveränität der Bevölkerung über Nahrungs- und Wasser-Ressourcen. Zugang zu erschwinglichen, möglichst lokal produzierten Lebensmitteln. Nachhaltiges Wassermanagement, das Zugang zu sauberem und erschwinglichem Wasser garantiert.
2. Die Biodiversitats-Konvention muss verbessert und erweitert werden, indem verbindliche Regeln für eine faire und gleiche Teilhabe und Kontrolle über Zugang und Nutzung von genetischen Ressourcen durch die Ursprungsländer garantiert werden.
3. Ein rechtlich bindendes Regelwerk zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, um ihre weltweiten Aktivitäten zu regulieren. Eine internationale Konvention zur Technologiefolgenabschatzung für die Evaluierung der Nachhaltigkeit neuer, weitreichender Technologien wie Gen- oder Nano-Technologie. Die Konvention soll ebenso deren Anwendung regeln.
4. Eine Agentur für erneuerbare Energien. Bis 2010 sollten als Ziel 10 Prozent des Weltenergiemarktes, 20 Prozent bis 2020 für die OECD-Lander und 25 Prozent für die EU als Anteil erneuerbarer Energietrager verbindlich angestrebt werden. Für den Suden konnte die Konzentration auf Sonnenenergie ein Chance darstellen, das fossile Entwicklungsstadium des Nordens zu Überspringen.
5. Neue Instrumente zur Erweiterung der Möglichkeiten der Stockholm- und der Baselkonvention, um die Erzeugung und den Handel mit gefährlichen Chemikalien zu reduzieren oder gar zu stoppen. Eine ähnliche Konvention sollte die Produktion Schwermetallen kontrollieren.
6. Neue rechtliche Garantien für die Vielfalt von Kultur und Sprache. Gewahrleistung rechtlicher und finanzieller Bedingungen für das Überleben indigener Volker.
Weitere Informationen in Englisch oder Franzosisch im Internet unter www.greens-efa.org oder semmott@europarl.eu.int
u GreenHouse im Herzen Johannesburgs eröffnet
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Kritiker haben im Vorfeld des Gipfels Johannesburg als „the most unsustainable city in the world" bezeichnet. Energie- Wasser- und Flachenverbrauch der wohlhabenden, meist weißen Einwohner dieser Stadt sind exorbitant. Da fällt ein Projekt wohltuend aus dem Rahmen, das am Wochenende im Herzen von Johannesburg eingeweiht wurde: das GreenHouse der südafrikanischen Umweltorganisation Earthlife Africa, Projektpartner der Heinrich-Boll-Stiftung. |
Konzipiert und gebaut wurde das Niedrig-Energiehaus unter ausschließlicher Verwendung von einheimischen Baumaterialien. Als Umweltbildungszentrum im Rahmen der Wiederbelebung der Innenstadt, die weiter zu verkommen droht, wird das Haus aber nicht nur Bildungsveranstaltungen beherbergen. Auf dem Geländes des Joubert Parks soll organischer Landbau praktiziert werden. Die BewohnerInnen der umgebenden Apartment-Blocks werden das Haus für die eigene Gemeindearbeit verwenden und haben bereits aktiv mit Hand angelegt. Dabei war die Realisierung des Projektes nicht einfach. „Grüne Projekte" sind im Nach-Apartheid-Südafrika immer noch mit dem Makel der Naturschützer behaftet, denen lange Jahre die Tiere wichtiger waren als die Menschen. Erst als Maßnahmen der Armutsbekämpfung mit Umweltzielen verbunden wurden, konnte auch der Stadtrat von Johannesburg von dem Projekt überzeugt werden und stellte wertvolles innerstädtisches Gelände zur Verfugung. Das GreenHouse von Earthlife Africa wird einer der Standorte in Johannesburg sein, an dem tatsächliches nachhaltiges Arbeiten und Wohnen demonstriert werden kann.
Weitere Infos unter info@ghouse.org.za oder www.greenhouse.org.za
u Globalisierungskritisches Teach-In in Witwatersrand-University
Namhafte GlobalisierungskritikerInnen haben am Wochenende vor Beginn des Weltgipfels in einem Teach-in in der Witwatersrand Universitat die sozialen und ökologischen Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung kritisiert. Die Atmosphäre im vollbesetzten Auditorium war, dem Gastland des Gipfels angemessen, lebhaft. Die ZuhörerInnen bekannten ihre Zustimmung oder Ablehnung der Vortrage lautstark mit „Oh?s und Ah?s". Zwischen den Beitragen wurde getanzt und inhaltliche Kernaus sagen der Vortragenden singend vergospelt: „Genug ist genug, ist genug, Schluss mit der WTO, dem IMF und der Weltbank".
Damit gab die Veranstaltung gleichzeitig einen Vorgeschmack auf einen Ende dieser Woche geplanten, aber noch nicht genehmigten Protestmarsch durch die Straßen Johannesburgs. Dort wollen Globalisierungsgegner sich den Boykott-Forderungen verschiedener sudafrikanischer Massenbewegungen, darunter besonders aktiv die Landlosenbewegung, anschließen. Sie wollen den Gipfel nutzen, um mehr Aufmerksamkeit auf ihre Probleme zu lenken.
Der malaysische Wirtschaftswissenschaftler Martin Khor forderte auf dem Teach-In lautstark: Je mehr die Regierungen im offiziellen Konferenzzentrum von Sandton, einem Stadtteil von Johannesburg, versagten, was leider zu erwarten sei, desto nachdrücklicher mussten die Stimmen der Strasse hörbar werden und die Vertreter von Nichtregierungsorganisationen ihre Forderungen formulieren. Die Vision einer „besseren Welt" dürfe in Johannesburg nicht endgültig begraben werden.
Sara Larrain, Nachhaltigkeitsaktivistin aus Chile, eine der Co-AutorInnen des von der Heinrich-Boll-Stiftung initiierten Jo'burg Memos, rief die ZuhörerInnen dagegen auf, nicht in der allgemein bekannten Kritik an den Fehlentwicklungen der neoliberalen Globalisierung stecken zu bleiben, sondern die Zusammenkunft dazu zu nutzen, alternative Ideen zu entwickeln. Notwendig sei es, die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit mit ökologischer Nachhaltigkeit zu verbinden und auf der Basis demokratischer Beteiligung der Menschen am Entwicklungsprozess umzusetzen. Sie wandte sich insbesondere gegen die Gefahr, dass Allgemeinguter wie Luft, Wasser und Boden zu Handelsgütern werden. Alternativen mussten auch aus dem Reichtum und der Kraft des Südens schöpfen. Allein die afrikanischen Gastgeber hatten eine Menge zu bieten: ihre reiche Kultur, ihren Gemeinschaftsgeist und noch funktionierende, starke Gemeinwesen.
Helena Norberg-Hodge, durch eine Studie über Globalisierungsauswirkungen in traditionellen Gemeinschaften in Indien bekannt geworden, rief dazu auf, die Notbremse zu ziehen. Der Trend, Wachstum und Handel um jeden Preis voranzutreiben, Wachstum als die einzige Möglichkeit zu akzeptieren, um Armut zu bekämpfen, sei ein Irrweg. Norberg-Hodge sieht die Losung der Probleme eher in der Stärkung lokaler und nationaler Ökonomien, verbunden mit direkten Vermarktungsketten zwischen Produzenten und Konsumenten.