| |
Böll‘s Breakfast Briefings – „Unternehmensverantwortung“
Die „Böll‘s Breakfast Briefings“ (BBB) sind eine Reihe von konzentrierten Arbeitsfrühstücken während des Johannesburg-Gipfels. Jedes Treffen wird sich einem Schlüsselthema widmen. Dazu wird eine begrenzte Anzahl von Experten eingeladen, um in informeller Atmosphäre durchaus kontrovers zu diskutieren. Die BBB sind ein Versuch, unterschiedliche Akteure aus Politik, NGO und Wirtschaft, aus dem Süden und dem Norden an einen Tisch zu bringen, um eventuelle frische Anstöße zur Lösung der schwierigen Gipfelfragen zu geben.
|
Das erste BBB eröffnete am Montag Morgen Barbara Unmüßig, Co-Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung. Das Thema war „Unternehmensverantwortung“ für soziale und nachhaltige Entwicklung. Unternehmensverantwortung sei nicht nur hier in Johannesburg und während des Gipfels ein wichtiges Thema, leitete Barbara Unmüßig die Diskussion ein. „Es besteht kein Zweifel, dass die sozialen und ökologischen Folgen des Handelns von transnationalen Unternehmen weitreichend sind und ihre Praxis offen nachhaltige Entwicklung verhindert.“ Nach dieser kurzen Einführung bat Frau Unmüßig Craig Bennet, Experte von Friends of the Earth in Großbritannien, den Vorschlag zu einer „Konvention über Unternehmensverantwortung“ vorzustellen. |
 Barbara Unmüssig
| Das Jahrzehnt nach dem Erdgipfel in Rio sei de facto die Dekade der Unternehmen gewesen, sagte Bennet. Die Unternehmen hätten sich in Rio selbst verpflichtet, möglichst nachhaltig zu handeln. Aber diese Selbstverpflichtung habe sich als ein leeres Versprechen entpuppt. Größtes Problem sei, dass die Einhaltung der selbst gesetzten Nachhaltigkeitskriterien nicht kontrollierbar und einklagbar sei. „Freiwillig ist eben freiwillig,“ stellte Bennet fest. Angesichts der Tatsache, dass sich unter den 100 größten ökonomischen Einheiten auf der Welt 51 Konzerne und nur 49 Staaten befinden und die 500 größten Konzerne zwei Drittel des Welthandels kontrollieren, sei aber die Mitwirkung der Unternehmen an einer nachhaltigen Entwicklung unabdingbar: „Es gibt keine Nachhaltigkeit ohne sie.“ Deswegen habe Friends of the Earth ein Konzept zu einer „Konvention zu Unternehmensverantwortung“ gemacht. Die wichtigsten und maßgebenden Unternehmensverbände haben diesen Vorschlag aber bereits abgelehnt. Leider sei der Druck von Seiten der Politik auf die Unternehmen nicht besonders groß, im Gegenteil. Bennet versteht nicht, warum es bei Umweltkatastrophen oder sozialen Katasrophen immer nur bei Betroffenheit und Nothilfe bleibe. „Wenn aber Enron oder Worldcom wegen Finanzmanipulationen zusammenbrechen, dann gibt es ganz schnell neue Gesetze, vor denen sich die Politkker so scheuen, wenn es um die Umwelt geht.“
|
 |
Die Gegenposition sollte auf dem BBB eigentlich von Fred Göde, vom südafrikanischen Chemiekonzern SASOL, vertreten werden. Doch SASOL zog kurzfristig seine Beteiligung zurück, nachdem der Konzern von Friends of the Earth den sogenannten „Greenwash Award“ erhalten hatte. Der Preis wird Unternehmen verliehen, die besonders dreist ökologisches Verhalten vorspiegeln, ohne ihre Produktion tatsächlich nachhaltigen Kriterien zu unterwerfen. SASOL forderte zudem alle südafrikanischen NGO auf, deren Teilnahme von dem Konzern gesponsert worden war, sich vom Gipfel zurück zu ziehen.
| |
|