Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (United Nations Conference on Environment and Development – UNCED) fand im Jahr 1992 in Rio de Janeiro statt. 17.000 TeilnehmerInnen, darunter Regierungsvertreter von 178 Staaten, kamen zusammen, um Lösungen für globale Probleme wie Hunger, Armut, Krieg sowie die wachsende soziale Kluft zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern zu finden.
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Im Mittelpunkt stand die Frage nach einer Entlastung der globalen Ökosysteme durch Einführung des Paradigmas der nachhaltigen Entwicklung. Dieses neue Leitbild beruht auf der Erkenntnis, dass Umweltprobleme und soziale Fragen nicht isoliert voneinander betrachtet werden können. Zwanzig Jahre nach der Weltumweltkonferenz in Stockholm betonten die Entwicklungsländer in Rio ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung, mit welcher zunächst auch steigende Umweltbelastungen einhergehen würden. Die Industrieländer, Hauptverursacher der globalen ökologischen Probleme, verpflichteten sich, für die Realisierung der in Rio vereinbarten Umweltziele besondere Verantwortung zu übernehmen. |

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Der Gipfel am Zuckerhut markiert aus zwei Gründen eine Weichenstellung der Umwelt- und Entwicklungsdebatte:
1. Rio war das größte diplomatische Ereignis des 20. Jahrhunderts und ist einen gesellschaftlicher Wendepunkt. 130 Staatsoberhäupter, 17.000 Konferenzteilnehmer und 8.500 Journalisten bewirkten, dass die Weltöffentlichkeit wie nie zuvor das Thema „nachhaltige Entwicklung“ wahrnahm. Damit fand die Diskussion über Klima, Wälder und globale Gerechtigkeit erstmals nicht länger im Kreise von Experten und Gelehrten statt. Im Gegenteil: Bereits im Vorfeld hatten sich in vielen Ländern zivilgesellschaftliche Gruppe4n und Initiativen gebildet, die den UN-Gipfel für ihre Anliegen zu nutzen suchten.
2. Zum ersten Mal in der Geschichte der UN konnten Nichtregierungsorganisationen (NRO´s) offiziell am Vorbereitungsprozess teilnehmen. Rund 500 NRO´s nutzen die Medienöffentlichkeit, um auf dem alternativen „Global Forum“ ihre Positionen vorzutragen. Dieser Gegengipfel war vielleicht das erste große Treffen von Umweltschützern, Kirchen, Gewerkschaften und Selbsthilfegruppen, die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausloteten und Kontakte für die Zukunft knüpften. Herausragender Kopf des Global Forums was der ehemalige brasilianische Umweltminister José Lutzenberger, der mit seinen Ansichten erstmals eine Annäherung von Umweltaktivisten und Wirtschaft einleitete. Sein Credo: Umweltschutz sei auch ein Wirtschaftsfaktor und könne für “Entwicklungsländer“ zum Exportschlager werden. Das sollte die Grundlage bilden für die spätere Debatte um Klimaschutz und CO2-Handel.
Trotz der in Rio vorherrschen Aufbruchstimmung gab es allerdings auch deutliche Kritik an den verabschiedeten Dokumenten. Vor allem NRO-Vertreter/innen kritisierten die Verwässerungen ursprünglicher Forderungen. Der Gegensatz zwischen ungehemmter Globalisierung der Wirtschaft einerseits und Ökologisierung von Produktions- und Konsummuster andererseits sei in Rio nicht ausreichend thematisiert worden.