Jetzt wird über Klima verhandelt - Warten auf Trittin
Die Diskussion zum Klimaschutz auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg braucht jetzt eine deutliche Unterstützung für ambitionierte Ziele. Nach Einschätzung des WWF laufen die Verhandlungen sonst Gefahr, im Taktieren der Bürokraten unterzugehen. Die Naturschutzorganisation WWF fordert den deutschen Umweltminister Jürgen Trittin auf, umgehend nach Johannesburg zu kommen und das Thema zur Chefsache zu machen. Trittin wird voraussichtlich am Freitag in der südafrikanischen Stadt eintreffen.
Umstritten ist derzeit vor allem die Zielsetzung für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Länder wie die USA, Saudi Arabien, Japan, Kanada and Australien blockieren jede Diskussion über konkrete Zielsetzungen bei der Einführung regenerativer Energieträger. Die Länder der EU fordern den Ausbau auf 15 Prozent bis zum Jahr 2010. „Der Vorschlag hört sich zunächst gut an, er hat jedoch einen dicken Pferdefuß“, bemängelt Dr. Stephan Singer vom Europabüro des WWF. Rechnet man große Staudammprojekte und traditionelle Biomassenutzung ein, liege der Anteil der erneuerbaren Energien weltweit schon jetzt bei 14 Prozent. Die Umweltverbände sprechen folglich von einem „Nullsummenspiel“ und kritisieren das EU-Ziel als „Etikettenschwindel“.
Der WWF und andere Verbände wollen hingegen die so genannten „neuen erneuerbaren Energien“ ausbauen und favorisieren einen Vorschlag Brasiliens. Demnach sollen große Wasserkraftwerke und andere nicht umweltverträgliche Formen der Energiegewinnung ausgeklammert werden. Diesen Anteil der sanften Energien wollen die Naturschützer von heute nur zwei auf mindestens zehn Prozent bis zum Jahr 2010 ausbauen.
Nach zweitägigen zähen Verhandlungen drohen ambitionierte Ziele in der Klimaschutzpolitik in der Versenkung zu verschwinden. Der WWF fordert ein politisches Signal aus Deutschland. „Es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland, das umweltfreundliche Solar- und Windenergie in den vergangenen Jahren vorbildhaft gefördert hat, einen faulen Kompromiss mitträgt. Jürgen Trittin sollte sofort nach Südafrika kommen und die Initiative ergreifen. Wir müssen alles tun, damit der Gipfel der Nachhaltigkeit nicht im Tal der Tränen endet,“ so Stephan Singer vom WWF.
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