JO-BURG WEGWEISER
   

Soweto: NEIN zu Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und AIDS

Überall in der Stadt wuseln Gipfel-Delegierte von einem Treffen zum nächsten, von einer Veranstaltung zur anderen. In ihren Köpfen schwirren die Umwelt- und Nachhaltige-Entwicklungs-Themen nur so herum. Dabei geraten andere Probleme schnell als „nicht dazugehörig“ aus dem Blickfeld. Einige grüne Delegierte waren auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung am Mittwoch Zeugen einer Aufklärungsaktion unter Titel „Nein zu Gewalt gegen Frauen, Kinder und gegen AIDS“ an einem Taxi-Stand in Soweto. Nun darf man sich unter Taxi-Stand keinen deutschen Bahnhofvorplatz mit schick aufgereihten Mercedes-Limousinen in mattweiß vorstellen.


Aufklärung durch Straßentheater.Foto: Jo`Burg News

In den schwarzen Townships von Johannesburg, wie Soweto, gibt es bis heute keinen öffentlichen Nahverkehr. Wer ins nahegelegene Johannesburg will, um zu arbeiten zum Beispiel, muss sich eines der vielen Hundert privat betriebener Kleinbusse, meist japanischer Bauart, bedienen, die bestimmte Marschrouten abfahren. Dieser riesige Taxi-Bahnhof ist gleichzeitig Marktplatz, zwischen den Taxis werden Mangos und Avocado, Strümpfe und T-Shirts, Batterien und Schnürbänder angeboten. Hier inmitten der Abfahrenden und Ankommenden führte die „Sonqoba Theatre Group“ auf Initiative des „NISAA Instituts für Entwicklung von Frauen“ und der „Frauen und Männer gegen Kindesmissbrauch“ ein Aufklärungs-Theaterstück vor. Mit Kwaito-Musik, eine Art Town-Ship-Rap, wurden Neugierige angezogen. Auf der Bühne stellten die SchauspielerInnen die grausame Wirklichkeit von Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und AIDS dar. „Nachhaltige Entwicklung ist unmöglich, solange Gewalt gegen Frauen und Kinder alltäglich sind,“ rief eine Einpeitscherin den rund 200 Zuschauer, die im Halbkreis um die improvisierte Bühne standen. Fast jeder vierte erwachsene Südafrikaner ist mit dem HIV-Virus infiziert. Kindesmissbrauch und AIDS stehen im südlichen Afrika in einem fatalen Zusammenhang. Wegen des weit verbreiteten Aberglaubens, durch Geschlechtsverkehr mit einer Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, ließe sich AIDS heilen, vergreifen sich HIV-infizierte Männer an immer jüngeren Mädchen. Selbst die Vergewaltigung von Säuglingen ist keine Seltenheit mehr.
Monica Frassoni, Abgeordnete der Fraktion Grüne/Freiheitsallianz im Europaparlament, versicherte den Frauen von NISAA, einem Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung, nach dem Theaterstück von der Bühne ihre Solidarität im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen und Kinder. Per Garthon, grüner Europaabgeordneter aus Schweden, wandte sich an die zahlreichen männlichen Jugendlichen und jungen Männer im Publikum. Eine Beziehung in der Frauen keine Objekte, sondern gleichberechtigte Partnerinnen seein, sei doch viel erstrebenswerter als rein sexuelle Beziehungen. Die südafrikanischen OrganisatorInnen der Aktion hielten dazu unter Anspielung auf das im Land weitverbreitete Machogehabe Plakate mit der Aufschrift „Echte Männer vergewaltigen keine Frauen“ in die Höhe.
Im Anschluss daran zog die ganze Truppe einschließlich der EuropaparlamentarierInnen durch den Taxi-Bahnhof, um weiße Schleifen der Solidarität mit HIV-Infizierten und kleine Informationsheftchen gegen Kindesmissrauch und Vergewaltigung zu verteilen. Die Aktion schaffte es mit dem Slogan: „Es gibt keine Entschuldigung für Vergewaltigung“ bis in die südafrikanischen Abendnachrichten.


 
 
 
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