JO-BURG WEGWEISER
 
Regierungen wollen mit der Wirtschaft Umweltprobleme lösen

 

Partnerschaften zwischen Regierungsorganisationen und Privatunternehmen sollen nach den Vorstellungen des Westens die Strukturprobleme der Dritten Welt einer Lösung näher bringen. Beim UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg wurden am Donnerstag mehrere Vorschläge in diese Richtung vorgestellt. Einige Umweltaktivisten warfen den Regierungen vor, sich mit der Einbeziehung des Privatsektors aus der öffentlichen Verantwortung stehlen zu wollen. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union wiesen dies zurück. Die vorgeschlagenen Partnerschaften stellten eine Ergänzung zu den Regierungsverpflichtungen dar, aber keinen Ersatz, betonte der dänische Umweltminister Hans Christian Schmidt im Namen der EU. Allerdings müssten solche Projekte durchschaubar bleiben und stets auf ihre Fortschritte und Ergebnisse hin überprüft werden. Andrew Natsios von der US-Agentur für Internationale Entwicklung stellte einen Plan zur Bekämpfung des Hungers in Afrika

 

vor, zu dessen Verwirklichung die Zusammenarbeit mit regionalen Handelsgruppen und Industriebetrieben gesucht werde. An öffentlichen Mitteln seien dafür 90 Millionen Dollar (Euro) veranschlagt. Ein anderes Partnerschaftsprojekt ist der weltweiten Abschaffung von verbleitem Benzin und der Reduzierung des Schwefelgehalts im Dieseltreibstoff gewidmet. Daran sind nach US-Angaben die Vereinten Nationen, das amerikanische Umweltamt, der Mineralölkonzern BP, japanische und europäische Umweltbauer sowie Umweltschutzgruppen beteiligt. EU-Entwicklungskommissar Poul Nielson stellte mehrere Partnerschaftsprojekte zur Wasser- und Energieversorgung in der Dritten Welt in Aussicht.
Agrarwissenschaftler der Universität London forderten unterdessen einen besseren Schutz für die umfangreichen Kollektionen von Getreidesamen, die die meisten Länder zum Erhalt ihrer jeweiligen nationalen Sorten vorsorglich angelegt hätten. Wegen mangelnder Finanzmittel würden diese Samen vielerorts nicht angemessen gelagert und drohten zu verrotten. Dies wiederum berge die Gefahr in sich, dass ganze Getreidesorten verloren gehen könnten. Damit würde auch das Ziel dieser Samenbanken verfehlt, künftige Generationen vor Hungersnöten zu schützen. Greenpeace veranstaltete am Nachmittag eine Protestaktion vor dem Chemiewerk Chloorkop nördlich von Johannesburg.
 Rund 20 Mitglieder der Umweltschutzorganisation blockierten etwa eine Stunde lang den Lastwagenverkehr von und zu der Anlage. Sie warfen dem zum US-Konzern Dow Chemical gehörenden Unternehmen vor, über Jahre hinweg giftige und Krebs erregende Substanzen in die Umwelt gepumpt zu haben. Damit seien die Bewohner eines nahe gelegenen Townships einer starken Gesundheitsgefährdung ausgesetzt gewesen. Ein Firmensprecher wies die Vorwürfe zurück. Der Chef der UN-Organisation zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS), Peter Piot, kritisierte, dass die Immunschwächekrankheit in den Beratungen des Gipfels bislang kaum eine Rolle gespielt habe. Wenn die Seuche nicht unter Kontrolle gebracht werde und die Menschen nicht überwiegend gesund seien, könne es auch keine nachhaltige Entwicklung geben, warnte er.

Quelle: AP


 
 
 
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