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Reportage: Landlose fordern Reformen
Unweit des „Global People‘s Forum“, schon außerhalb der Stadt, befindet sich Sherworld, das “Lager der Landlosenbewegung”. Das Gelände, eine Investitionsruine, die einstmals ein Einkaufzentrum für die zukünftige schwarze Mittelklasse werden sollte, bietet aufgrund der großen Hallen ausreichend Dach über den Köpfen von mehreren Tausend Landlosen. Sie sind vor einigen Tagen in Zügen mit allem lebensnotwendigen Hausstand, wie Decken und Kochgeschirr, aus allen Regionen Südafrikas angereist. Hier in den rohen Hallen haben sie nun ihr Lager aufgeschlagen. Weil sich die Welt in Johannesburg trifft, um über Armut und Ökologie zu diskutieren, hoffen sie, besser auf ihre Lage aufmerksam machen zu können. Rot ist die dominierende Farbe in Sherworld, in einem ansonsten bunten Lager, dessen Wände mit Plakaten und Ankündigungen vollgeklebt sind. Rot sind die T-shirts, die viele der Landlosen wie eine Uniform tragen. An roten Fahnen und Armbändern kann man sie im Stadtbild sofort erkennen. Die Organisatoren des Lagers sind Menschen, die sich im Juli 2001 in der „Bewegung der Landlosen Südafrikas“ zusammengeschlossen haben. Sie bezeichnen sich als unabhängig, also keiner politischen Partei nahestehend. Die Zeit im Johannesburger Camp wollen die Aktivisten und die Betroffenen dazu nutzen, eine Verfassung ihres Verbandes zu erarbeiten. Bis Ende des Jahres hoffen sie auf 100.000 zahlende Mitglieder anzuwachsen, eine Voraussetzung dazu, künftig in einem gut funktionierenden Netzwerk und mit der nötigen Legitimation mit der Regierung zu verhandeln. Es geht um Landreform, Landwirtschaftsreform, Zugang von Frauen zu Landtiteln (Männer haben das Recht ohne Zustimmung ihrer Frauen als alleiniger Titelinhaber Land aus kurzfristigen Gewinnerwägungen zu verkaufen) und Handelsfragen. Als vor 8 Jahren der Afrikanische Nationalkongress ANC in Südafrika an die Macht kam und das Apartheidregime sein Ende fand, wurde der bis dahin diskriminierten schwarzen Bevölkerung Land, Wasser und Elektrizität versprochen. Eine grundlegende Landreform ist bisher aber ausgeblieben. Trotz einiger Bemühungen, den Zugang der Menschen zu sauberem Wasser und Strom zu verbessern, lebt bis heute ein grosser Teil der schwarzen Bevölkerung unter miserablen Bedingungen. Die Wirtschaftskrise verstärkte die Zuwanderung in die Städte, die Slums dort wachsen. Zwangsvertreibungen aus illegalen Siedlungen führen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Landlosen und dem Staat. Südafrikas Integration in die Weltwirtschaft und die starke Handelsorientierung verschärfen die Lage. Der wachsenden industriellen Agrarsektor treibt viele Kleinbauern in den Ruin. Die landlos geworden Menschen wandern in die Städte, in der vagen Hoffnung auf neue Einkommensquellen und Lebensmöglichkeiten. Die Initiative “LAND JETZT” fordert eine grundlegende Landreform. Sie verweist darauf, dass nur 60.000 Farmer 80 Prozent des Landes in Südafrika besitzen. Als ersten Schritten fordern sie, dass ungenutztes oder „nicht optimal genutztes” Land, Land, dessen Besitzer nicht auffindbar sind und Land von verschuldeten Bauern verteilt werden soll. Auch Landbesitzer, die sich Zu Apartheidzeiten auf „ungerechtfertigte Weise“ bereichert haben, sollen Land abgeben. Die Landlosen sind mit ihrer Geduld am Ende. Sie glauben das versprechen der Regierung des ANC nicht mehr, die Situation grundlegend zu verandern. Darauf wollen sie am 31. August in einem Protestmarsch durch Johannesburg zum offiziellen Konferenzzentrum aufmerksam machen. Die Demonstration ist bisher noch nicht von den südafrikanischen Behoerden genehmigt worden. Die Regierung hat angekündigt, alle nicht genehmigten Protestaktionen, sofort durch die Polizei auflösen zu lassen.
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