Kämpfen für den Kanzler oder Platz 42
Johannesburg (Jo'burg News) Das Los machte alle gleich. Wer von den hohen
Damen und Herren Regierungs- und Staatchefs wann vor dem Plenum der
Weltkonferenz in Johannesburg reden darf, wurde auf urdemokratische Weise
entschieden. Deutschland landete auf Platz 42. Nun hatte der amtierende
Kanzler vor, nach einem erholsamen Nachtflug, am Montag morgen einzuschweben.
Und weil sein voller Wahlkampfauftrittskalender nur ein kurzes Loch von
sechs Stunden vorsah, um an der Rettung der Welt beteiligt zu sein, war der
Rückflug nach Deutschland schon für Montag Nachmittag fest eingeplant.
Platz 86 aber hatte Gerhard Schröder nicht vor Montag Nacht ans Rednerpult
gelassen. Die internationalen Gepflogenheiten sind da hart. Und überhaupt.
Platz 42 passt nicht zu Deutschlands gewachsener und immer noch wachsender
Rolle in einer sich neu ordnenden Welt. Gewiss nicht. Abhilfe tat Not.
So begann am Samstag im Kanzleramt eine intensive Suche nach einem Ausweg.
Gab es nicht auf den vorderen Rangen der Redeliste ein Land, das etwas
wollte, was Deutschland geben konnteß Und siehe da, auf Platz sieben fanden
die Kanzlerhelfer Mazedonien. Dessen Präsident lasst schon seit langem nach
einem Termin für einen Staatsbesuch in Berlin anfragen. Doch bisher hatte
der Bundeskanzler seinen Kollegen vom Balkan offensichtlich nicht für
ausreichend wichtig und würdig gefunden.
Der Handel verlief fair, wenn auch nicht ganz frei. Ein Blick in Schröders
Palm-Top ergab einen freien Zeitslot für Empfang mit militärischen Ehren,
Gesprächen und womöglich gar erhofften Hilfszusagen noch in diesem Herbst.
Generös überließ das kleine und arme Mazedonien daraufhin dem großen und
reichen Deutschland seinen erlosten Platz sieben auf der Redeliste. Und weil
Politik, vor allem die große, von Mythen lebt, verbreiteten Diplomaten der
deutschen Botschaft in Südafrika am Sonntag flugs, sie hatten
schwer "für den Kanzler gekämpft" - und gesiegt. Bleiben in dieser
komplizierten und vergesslichen Welt zwei Hoffnungen: dass Schröder es
den Diplomaten dankt und dass seine Neue-Erneuerbare-Energie-Initiative
nicht vom Flugsand der Zeit zugedeckt wird.
NGO applaudieren Schröder
Johannesburg (Jo'burg News) Im NGO-Raum des offiziellen Konferenzzentrums
Sandton hat der Redebeitrag von Bundeskanzler Gerhard Schröder in der
Generaldebatte des Erdgipfels am Montag Vormittag spontanen Beifall
ausgelost. Der Bundeskanzler nannte den Klimawandel "eine bittere Realität".
Er appellierte an die industrialisierten Länder, die das Kioto-Protokoll
nicht ratifiziert haben, "zumindest einen Beitrag in gleicher Hohe" zum
Klimaschutz zu leisten. Dann stellte Schröder als deutschen Beitrag zum Welt
Gipfel drei Initiativen zu erneuerbarer Energie vor. Im Gegensatz zu
einigen seiner Vorredner verband er seine Appelle auch mit konkreten
Finanzzusagen. So sollen im Laufe der nächsten fünf Jahre zusätzlich
insgesamt eine Milliarde Euro für technische Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und Entwicklungsländern im Bereich erneuerbare Energie sowie für
Programme im Bereich Energieeffizienz bereitgestellt werden.