Rosarote Wolken über Stahlwerk bei Johannesburg
ISCOR ist eine der größten Stahlfirmen weltweit und wurde bereits vor 40 Jahren das erste Mal von der südafrikanischen Umweltbehörde abgemahnt. Zu viel giftiger Dreck verließ schon damals das Fabrikgelände in Vanderbiljpark rund ein Busstunde von Johannesburg entfernt. Weitere Abmahnungen folgten. Doch ISCOR beeindruckte das nicht. ISCORs Stahlhütte, eine weitläufiges Industrieanlage, führt sowohl bei der Höhe der Schadstoffemissionen als auch beim Grad der Boden- und Grundwasserverseuchung um das Werk herum die Liste der giftigsten südafrikanischen Unternehmen an.
Bei starkem Regen werden Schwermetallablagerungen und Chemikalien aus dem Stahlwerk heraus geschwemmt und vergiften in einem großen Umkreis den Boden und damit auch das Trinkwasser der umliegenden Farmen. Viele Anwohner des Stahlwerks sind krank. Sie leiden an Zahnausfall, Nierensteinen, Gelenkstarre und einer breiten Palette von Ekzemen und Entzündungen, ausgelöst von den abgelagerten Schwermetallen und der verpesteten Luft. Der Quecksilberanteil ist enorm.
Vor fünf Jahren kaufte ISCOR den größten Teil des Landes in der Umgebung auf, ließ jedoch einige Farmer zurück. Zufälligerweise waren das diejenigen, die zuvor gegen ISCOR protestiert hatten. In der Südafrikanischen Presse sind die Untaten und die Untätigkeit von ISCOTR normalerweise kein Thema. Aber der Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg bot ungeahnte Chancen. Die Heinrich Böll Stiftung organisierte eine Expedition von GipfelteilnehmerInnen, darunter Bundestags- und Europaparlamentsabgeordneten der Grünen und der SPD, nach Vanderbiljpark. Schon wurde der vergessene Skandal zum Medienereignis und zahlreiche Fernsehteams waren mit von der Partie.

ISCOR-Stahlfabrik in Südafrika Foto: Earthlife Africa
Die internationalen Gäste zogen zusammen mit den schwarzen und weißen Farmern aus der Umgebung in einem Protestzug vor die Tore von ISCOR. Etwa auf halben Weg zum Haupteingang hatten die Stahlwerker allerdings in einer Nacht- und Nebelaktion neue Tore und Absperrungen errichtet, um die gar nicht so große Menschenmenge möglichst fern zu halten. Innerhalb der Tore war eine ganze Militäreinheit aufgezogen. Zum beschwichtigenden Empfang sandte ISCOR eine Pressesprecherin, die mit der Situation offensichtlich vollkommen überfordert war und hatte anscheinend nicht einmal nähere Informationen zur Sachlage. Sie bat um Verständnis, dass der ISCOR-Vorstand beschäftigt sei und verschwand nach einigen Minuten wieder im sicheren Dickicht der Sicherheitskräfte.
ISCOR hatte, wie später bekannt wurde, an diesem Tag die Produktion extra runtergefahren. Irgendwann im Verlauf der Aktion stieg aber doch eine riesige, rosafarbene Wolke über dem Werk auf, die sich nach einigen Minuten übel schmeckend im Mund bemerkbar machte. Die betroffenen Farmer haben sich in einer Organisation namens “Steelvalley” zusammen geschlossen. Sie fordern ihre Umsiedlung und die Übernahme der immens hohen Kosten für medizinische Versorgung.