Welternährungsgipfel in Rom
Die Bekämpfung des Hungers ist das zentrale Thema des Welternährungsgipfels in Rom. Die viertägigen Konferenz der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) will über Wege zur Versorgung der Menschheit mit ausreichend Nahrungsmitteln beraten. An der Konferenz nehmen Dutzende Staats- und Regierungschefs aus Entwicklungsländern teil, aber nur zwei aus Industrieländern: Unter ihnen ist der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar, der zugleich derzeit Ratspräsident der Europäischen Union ist.
Die FAO hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, jährlich 24 Milliarden Dollar für die Bekämpfung des Hungers in der Welt auszugeben. Sollte nicht in den Kampf gegen den Hunger investiert werden, könne es im Jahr 2015 noch immer 600 Millionen hungernde Menschen geben. Die Staatengemeinschaft hatte sich 1996 vorgenommen, die Zahl der Hungernden von 840 Millionen bis 2015 auf 400 Millionen zu reduzieren. Bislang ist es lediglich gelungen, die Zahl auf 815 Millionen zu verringern.
Am Samstag waren tausende Menschen durch die Straßen von Rom gezogen und hatten die UNO aufgefordert, ihre Taktik im Kampf gegen den Hunger zu ändern. Rund 5000 Polizisten sind in der italienischen Hauptstadt im Einsatz, um die Sicherheit des Gipfeltreffens zu gewährleisten. Die Konferenz war ursprünglich für den vergangenen November geplant gewesen, wurde aber aus Furcht vor Anschlägen nach dem 11. September verschoben.
Bonner Ernährungsgipfel
Parallel dazu hat in Bonn Bundespräsident Johannes Rau eine internationale Konferenz zur Sicherung der Welternährung eröffnet. Mehr als 1100 Experten aus allen Kontinenten wollen hierbei Strategien gegen Fehl- und Unterernährung diskutieren und miteinander abstimmen.
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Rau forderte in seiner Ansprache, den Kampf gegen den Hunger auf Platz eins der Weltpolitik zu rücken. Die weltweite Armut sei ein "Skandal, den wir nicht länger hinnehmen dürfen", so Rau. Er forderte die Bundesregierung auf, die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit zu steigern. Mit internationaler Anstrengung ist es nach Ansicht Raus möglich, das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996 zu erreichen, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 um die Hälfte zu verringern.
Der Bundespräsident sprach sich für eine stärkere Beratung und Förderung der rund 400 Millionen Kleinbauern in den armen Ländern aus. Gleichzeitig sei es notwendig, ein übergroßes Bevölkerungswachstum einzudämmen. Nur so könne der wachsenden Umweltzerstörung und der Verknappung von Nahrungsmitteln entgegen gewirkt werden.
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul rief die Industrieländer eindringlich dazu auf, ihren Agrarprotektionismus abzubauen, der die Dritte Welt jedes Jahr um Einnahmen in Höhe von 40 Milliarden Dollar bringe (86 Milliarden Mark/44 Milliarden Euro) bringe.
Diskussion um UN-Bericht erwartet
Für Diskussionen wird voraussichtlich ein im Juli veröffentlichter UN-Bericht sorgen, im dem prognostiziert wird, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel das Problem der Unternährung in Entwicklungsländern mindern könnten. Gegner dieser These halten dagegen, dass genügend Nahrungsmittel vorhanden seien. Diese müssten jedoch gerechter verteilt werden.
Schätzungen der internationalen Organisation für Ernährung und Landwirtschaft zufolge, leiden weltweit rund 800 Millionen Menschen an Hunger. Täglich würden etwa 24.000 Menschen an den Folgen von Unterernährung sterben.
Quelle: reuters/Tagesschau.de