Biodiversität
Korallenriffe – vergessene Artenvielfalt
Von Marion Book
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In einer nächtlichen Marathonsitzung haben sich die Teilnehmer des Weltgipfels schließlich doch auf einen gemeinsamen Nenner zum Artenschutz einigen können. Nach Angaben der UN wurden zwei Übereinkünfte formuliert. Die erste besteht darin, dass man gewillt ist, bis zum Jahre 2010 die derzeitige Geschwindigkeit des Artensterbens deutlich zu reduzieren. Wie das allerdings vonstatten gehen soll, welche Programme und Gelder dafür zu Verfügung gestellt werden, darüber ist leider nichts näheres zu erfahren. |
 Fotos: Alexander Schüler
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Das gleiche gilt für die zweite Übereinkunft: Die Fischbestände dürfen nicht überfischt werden. Bereits geschädigte Fischbestände sollen sich bis zum Jahr 2015 erholt haben, allerdings mit der Einschränkung, nur da, wo es möglich ist. Wer auch hier auf konkrete Zahlen und Fakten hofft, wird enttäuscht.
Dennoch werteten die offiziellen Gipfelteilnehmer die Einigung als einen Erfolg. Aber ist dies wirklich so? Nehmen wir nur mal das Beispiel der Artenvielfalt in den Korallenriffen. Passend zum Weltgipfel hat die Organisation „Reef Check“, die sich seit 1996 mit der Beobachtung der Riffe in der ganzen Welt befasst, eine Studie herausgegeben. In dieser 5-Jahres-Erhebung wurden die Daten von über 1.000 untersuchten Korallenriffen zusammengetragen. Ergebnis: Nur ein Riff in der Nähe von Madagaskar kann als gesund und unberührt angesehen werden.
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Laut „Reef Check“ sind Korallenriffe das Ökosystem mit der zweithöchsten Biodiversität der Welt. Sie sind die größten biologischen Strukturen der Erde und können sogar vom Weltraum aus gesehen werden. Diese Riffe waren und sind schon immer das Modell für einige der wichtigsten Arbeiten in der Ökologie. Sie sind ökonomisch wertvoll als Quelle von Nahrung und Grundbestandteilen von Arzneimitteln. Ferner schützen sie die Küsten vor Erosion durch Wellenschlag und Stürme. Zudem ist der Tourismus und Tauchsport ein wichtige Einnahmequelle.
Der „Reef Check“ zeigt nun erschreckend, dass in den letzten beiden Jahrzehnten mehr Schäden an den Korallenriffen entstanden sind, als im ganzen Jahrtausend davor. Gründe hierfür sind: Überfischung der Regionen, Tauchtourismus, Wasserverschmutzung und Wassererwärmung. |
Bei vielen spektakulären Umweltkatastrophen der vergangenen Zeit vergaß man dennoch das Ökosystem Korallenriff in der öffentlichen Debatte. Im Geiste taucht sofort das Bild des ölverschleimten Vogels bei der Öltanker-Katastrophe der Exxon Valdez auf. Tausende von Küstenmeilen Alaskas und Kanadas waren binnen Tagen mit Öl verseucht. Oder man erinnert sich an den Ölteppich im Persischen Golf während des Kuwait-Krieges. Die Öffentlichkeit reagierte erst, als eine Entsalzungsanlage, von der Zehntausende Menschen abhängig waren, zerstört zu werden drohte. Nur wenige aber haben sich Sorgen gemacht, dass durch diese Ölverschmutzungen der Grundstein der Unterwasservielfalt – nämlich das Ökosystem „Riff“ – komplett zerstört wurde.
Hier betrifft also das Thema Energie direkt auch die Biodiversität. Gleiches gilt für den Aspekt „Klima“. Die globale Erderwärmung bedeutet nicht nur einen weltweiten Anstieg des Meeresspiegels und damit den Untergang ganzer Inselgruppen und Atolle, wie jüngst die Inselgruppe Tuvalu, sondern die Erwärmung trägt auch zum Sterben der Korallenbänke – dem Coral Bleaching – bei.
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Vor diesem Hintergrund sind die Übereinkünfte in Johannesburg mehr als dürftig. Wenn man etwa bedenkt, dass ein zerstörtes Riff zwischen 100 bis 300 Jahre braucht, um sich zu regenerieren, dann hilft eine Willensäußerung zur Reduzierung der Geschwindigkeit des Artensterbens bis zum Jahr 2010 wohl herzlich wenig. Und wenn nicht definiert wird, wie und wo Fischbestände geschützt werden sollen, kann das auch keinen direkten Einfluss auf das Sterben der Korallenriffe haben.
Was müsste also wirklich getan werden? „Reef Check“ fordert ein großflächiges, zusammenhängendes Netz von geschützten Arealen. Diese Rückzugsgebiete ermöglichen eine Erholung der Fischbestände und der Korallenriffe. Das würde sich dann auch positiv auf die nicht geschützten Gebiete auswirken.
Weitere Links zum Thema: Artensterben droht: Korallenriffe in aller Welt stark gefährdet m Weiße Schatten - das Sterben der Korallenriffe m Reef Check - NGO zum Schutz der Riffe weltweit |
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